Solitude

Kurzfilm

Antti Tanttu
2004, 04:00 min, Ton, Schwarz-Weiß
Finnland, Videonale 10

Ein Mann steht auf einem von Meer umschlossenen Felsen und gibt mit zwei Fahnen Signale, die den Satz » Die freiwillig gewählte Einsamkeit ist Luxus « bilden. Dazu hört man Meeresrauschen und vereinzelt Doppelschläge einer Trommel. Diese auf den ersten Blick schlichte und eindeutige Aussage ist bei genauerer Betrachtung vielschichtig und birgt verschiedene Deutungsansätze. Es ist möglich, den Mann auf seinem Felsen tat- sächlich als einen Menschen zu betrachten, der fern aller störenden Impulse von außen seine Einsamkeit genießt – der erkaufte Luxus. Ferner kann die Szene interpretiert werden als der hilflose Versuch eines Gestrandeten, auf sich aufmerksam zu machen und seiner Isolation ein Ende zu setzen – Einsamkeit wird zur Not. Eine dritte Möglichkeit ist die codierte Kommunikation in der Seefahrt – Einsamkeit wird zur Notwendigkeit. Der Satz wird dabei zum Schlüssel für die unterschiedlichen Betrachtungs- und Bewertungsweisen der an sich neutralen Handlung. Die akustischen Signale passen sich den Deutungen an. So schwankt das Meeresrauschen zwischen Kontemplation, Bedrohung und neutraler Geräuschkulisse. Die Trommelschläge assoziieren Herzschläge, Geräusche einer zuschlagenden Tür oder Schüsse. Antti Tanttu entwirft in seiner Videoarbeit ein facettenreiches Bild von Einsamkeit. [Nadia Ismail]