PAN

Kurzfilm

Anna Roller
2017, 16:30 min, Farbe
Deutschland

mit Anna Platen, Jeff Wilbusch, Luisa-Céline Gaffron, Sue Simmy Lemke, Emil Borgeest

Du und ich – wir gehen heute auf die Jagd «, sagt die Freundin; nimmt Juno an die Hand, denn Juno scheint schutzbedürftig. Wie das verschreckte Reh auf der Lichtung entsorgt sie die Partypille, gibt bloß vor zu schlucken, in Sorge um Kontrollverlust. Wenn Juno ihrer Freundin aus dem Badezimmer auf die laute und überfüllte Hausparty folgt, wähnt man sie in Sicherheit. Sie ist nicht Teil der dumpfen, ins flackernde Rotlicht getauchten Party- szenerie, sie ist Beobachterin und Außenste-hende. Doch dann ist da Pan. Gutaussehend, geheimnisvoll, mystisch zieht er die Frauen in seinen Bann, Junos Freundin, Juno selbst. Unter Pans Einfluss vollzieht sich der Bruch in Junos Innerem, ihre Selbstkontrolle wird durchsetzt von plötzlicher Eifersucht, ekstati- scher Selbstbehauptung und animalischer Gier. Juno geht auf die Jagd – grenzüber-schreitend, verführerisch, gnadenlos.

Der Kurzfilm PAN von Anna Roller spielt ver- störend ästhetisch mit der eigenen Metaph- orik. Er etabliert durch präzise Lichtstimmung, sprunghafte Schnitttechnik und horrorhafte Soundelemente die Wandlung einer Gejagten zur Jägerin, die sich durch PAN, den Gott des Waldes, in einem animalischen Rausch wiederfindet. Ein Bruch, der sich nicht nur im Verhalten der Protagonistin widerspiegelt, er wird auf der gesamten Bildebene deutlich, die das Mystische, Traumhafte und der sex- uellen Fantasie entspringende in eine diffuse Realität überführt. Wo diese Realität letztlich beginnt und wieder endet, ist kaum auszuma-chen, der Film springt zwischen den Ebenen und hinterlässt damit die aufwühlende Frage nach dem unkontrolliert Triebhaften im augenscheinlich Unschuldigen.