Jasmina Musić – Grabbe

Performance

Er sei » so dumm wie‘n Kuhfuß, schimpft auf alle Schriftsteller und taugt selber nichts, hat verrenkte Beine, schielende Augen und ein fades Affengesicht «, heißt es im Lustspiel » Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung « von 1822, in der der Dramatiker Christian Dietrich Grabbe sich selbst auftreten und karikieren lässt. Seine Arbeiten sind nicht nur von einem tiefgreifenden Nihilismus durchzogen, sondern gelten zudem noch heute als eine Herausforderung für jede Bühne. Die Werke, die er hinterlässt, sind als » fast filmisch und unaufführbar « zu deuten. Inspiriert von Grabbes Leben und Werk kreiert die Schauspielerin Jasmina Musić Text-, Biographie- und Figurminiaturen in einem filmischen Tableau und stellt dabei die Parameter Identität, Nationalität und Sprache infrage. In ihrer Performance collagiert sie Passagen aus Grabbes Drama » Hermannsschlacht « und seinem Lustspiel » Scherz, Satire, Ironie und tiefere Bedeutung « mit Textfrag-menten Heiner Müllers und Bertolt Brechts. Auch Heinrich Heine kommt zu Wort bzw. zu Ton in Form seines Gedichts » Fragen «. Grabbe und Heine: Beide bewohnten zuweilen die Bolkerstraße in der Düsseldorfer Altstadt. Seit 1936 ist der Grabbeplatz nach dem Dichter des Vormärz benannt, eine Performance in seinem Namen also längstens fällig. Die Performance » Grabbe « ermöglicht offene Asso- ziationen und neue Wahrnehmungsmöglichkeiten. Ein filmisch- sprachlicher Klangkörper soll entstehen, der auch mit dem Bildarchiv und der Biografie der Künstlerin eng zusammenhängt.

Video: Ivana Kleinertz