AXN

Kurzfilm

Jean-Marie Villeneuve (Regie und Buch) 2016, 20:00 min, Schwarz-Weiß Frankreich

mit Hugo Malpeyre, Vanessa Kryceve, Matthieu Moerlen, Sébastien Novac, Mathieu Lagarrigue

Ein Ruderboot gleitet sanft im Lauf des Flusses. Der Mann darin schläft wie ein Toter. Die Musik wiegt den Zuschauer so sanft wie die Wellen den Passagier Charons, des Fähr- manns, der mit bürgerlichem Namen Novac heißt. Novac ist der Handlanger eines ab- wesenden Regisseurs, der aus dem Off der statischen Kamera die Fäden zieht und neugierigen Blicken dank Trenchcoat aus- zuweichen versteht. Nicht nur Monsieur Novac folgt seinem Diktat, auch der Tote hat bereits für ihn gemordet.
AXN ist ein Spiel mit den Ebenen der Fiktion und der zeitlichen Abfolge. Nie scheint die Handlung so ganz vollendet, auch wenn sie unausweichlich in eine fatale Richtung drängt, die Figuren schon im Malstrom der folgenden Ereignisse gefangen sind. Keine Liebesgeschichte, sondern ein Eifersuchts-drama, das von Verlangen und Langeweile, vom Fremdgehen, von schlechten Gewissen und dem Tod spricht. Es ist dieses Angst- einflößende des gewaltsamen Todes, der an- gekündigt wurde, sich bereits ereignet hat, und dem trotzdem noch regungslos ins Auge gestarrt werden muss. Er verheißt einen Ausweg aus jener Welt der schmerzlichen Leidenschaften, die die Figuren bestimmt.
In ihrer Surrealität erinnern manche Szenen, gedreht im nächtlichen Paris, an Godards Alphaville. Der Autor-Regisseur wird hinter- fragt, auch Pop-Kost findet sich als Wasser-pistole in metaphorischer Penisform, fran- zösischer Existenzialismus darf nicht fehlen. Und doch ist alles noch düsterer, mehr schwarz als weiß, mit harter digitaler Schärfe gedreht und mit überraschend heftigen Stimmungswechseln. Es überwiegen nächt- liche Szenen, erst im Jenseits kann es milder und heller werden, wenn das Angsteinflö-ßende (Anxiogène) endlich überwunden ist.